Revision der kantonalen BIP für ein genaueres Bild der regionalen Wirtschaft
Neuchâtel, 26.10.2026 — Im Anschluss an die 2025 veröffentlichte Revision des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz publiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) eine revidierte, provisorische Zeitreihe der kantonalen BIP für die Jahre 2011 bis 2024. Die Revision führt zu erheblichen Veränderungen der kantonalen BIP, bestätigt aber weitgehend die langfristigen Wachstumstrends.
In den letzten Jahren hat sich die Schweizer Wirtschaft unter dem Einfluss der Globalisierung, der zunehmenden Spezialisierung bestimmter Wirtschaftszweige und struktureller Veränderungen in den Unternehmen tiefgreifend gewandelt. Um diesen Entwicklungen besser Rechnung zu tragen, hat das BFS die Methode zur Regionalisierung der Bruttowertschöpfung (BWS), auf der die Berechnung des kantonalen BIP beruht, vollständig überarbeitet (siehe Kasten).
Die neue Methode basiert auf einem «Bottom-up»-Ansatz, bei dem unternehmensspezifische Daten herangezogen werden. Neu wird ein Grossteil der Wertschöpfung nicht mehr geschätzt, sondern direkt aus diesen Mikrodaten entnommen oder auf Unternehmensebene verankert. Bisher wurden die Ergebnisse hauptsächlich auf aggregierter Ebene validiert. Weil detailliertere Analysen nach Wirtschaftsbranche noch ausstehen, sind die Ergebnisse weiterhin provisorisch. Das BFS wird im März 2027 konsolidierte und detailliertere Ergebnisse veröffentlichen.
Angepasste BIP, aber ähnliche Wachstumstrends
Die Revision führt für das Jahr 2022, in dem das BIP zuletzt nach der bisherigen Methode berechnet wurde, in acht Kantonen (Schaffhausen, Zug, Genf, Neuenburg, Basel-Stadt, Schwyz, Waadt und Nidwalden) zu deutlich höheren BIP-Werten. Die stärkste Aufwärtskorrektur verzeichnet Schaffhausen (+48,5%), was auf die Konzentration besonders produktiver Wirtschaftszweige und die Bedeutung Schaffhausens als Wirtschaftszentrum der Ostschweiz zurückzuführen ist. Die vollständigen Ergebnisse nach Kanton sind am Ende der Medienmitteilung aufgeführt.
In den übrigen Kantonen führt die Revision zu tieferen BIP-Werten. Das Ausmass der Korrekturen variiert je nach Kanton. Trotz der Anpassungen ändert sich an den bisherigen Wachstumstrends wenig. So gehören die Kantone, die bereits vor der Revision das stärkste Wachstum aufwiesen, in der Regel auch nach der Revision zu den wachstumsstärksten Kantonen. Die Rangfolge der Kantone nach BIP bleibt dabei relativ stabil.
Stärkere regionale Konzentration von Aktivitäten mit hoher Wertschöpfung
Mit der neuen Methode lässt sich die Wertschöpfung direkter den Standorten zuordnen, an denen sie tatsächlich entsteht. Dadurch wird der regionalen Konzentration bestimmter Branchen besser Rechnung getragen. In Basel-Stadt beispielsweise lässt sich die Wertschöpfung der Industrie und des Baugewerbes nun besser dem Kanton anrechnen, was zu einer Aufwärtskorrektur führt. In Genf und Zug betreffen die grössten Anpassungen den Handel.
Je nach Grösse der kantonalen Wirtschaft können bereits wenige Grossunternehmen die Ergebnisse erheblich beeinflussen. Die verstärkte Nutzung detaillierterer Daten hat den Vorteil, dass die wirtschaftliche Realität genauer abgebildet wird. Allerdings reagieren die Schätzungen dadurch auch stärker auf Schwankungen von einem Jahr zum nächsten.
Die dem Sektor der öffentlichen Verwaltung zugeordnete Wertschöpfung wird in allen Kantonen nach unten korrigiert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung zurückgegangen ist; die Veränderung ist hauptsächlich auf methodische Anpassungen im Rahmen der Revision des Schweizer BIP von 2025 zurückzuführen. Konkret wurden die Tätigkeiten des öffentlichen Bildungswesens statistisch einem anderen Wirtschaftssektor zugeordnet und eine neue Methode zur Verteilung der Militärausgaben verwendet.
Steigendes BIP zwischen 2023 und 2024 in den meisten Kantonen
Zwischen 2023 und 2024 ist das BIP zu Preisen des Vorjahres in 17 der 26 Kantone gewachsen. Am stärksten war die Zunahme in den Kantonen Zug (+11,0%), Schaffhausen (+9,0%) und Basel-Landschaft (+6,4%). In Zug wurde das Wachstum hauptsächlich von der Industrie und den Dienstleistungen getragen, während sich der Handel verhaltener entwickelte. In Schaffhausen trugen insbesondere die Energiebranche, das Bildungs- und Gesundheitswesen sowie der Handel zum Wirtschaftswachstum bei. Die Industrie erwies sich dagegen weniger dynamisch. Im Kanton Basel-Landschaft waren die Finanz- und sonstigen Dienstleistungen die grössten Wachstumstreiber.
Von den neun Kantonen, deren BIP zwischen 2023 und 2024 zurückging, registrierten sechs (Freiburg, Genf, Nidwalden, Graubünden, St. Gallen, Bern) eine Abnahme zwischen 0,5% und 1,9%. Am stärksten fiel der BIP-Rückgang 2024 im Wallis (–2,6%), im Tessin (–3,9%) und im Jura (–7,7%) aus. Im Wallis war die Entwicklung in der Industrie, im Handel und im Dienstleistungssektor rückläufig, während die Bereiche Energie, Bildung und Gesundheit ein leichtes Wachstum verzeichneten. Im Tessin verringerte sich die Wirtschaftsleistung mit Ausnahme der öffentlichen Verwaltung in sämtlichen Branchen. Im Jura schrumpfte 2024 insbesondere die Industrie, was sich deutlich auf die Wirtschaft des gesamten Kantons auswirkte. Auch der Dienstleistungssektor verzeichnete einen Rückgang.
Unterschiedliche Entwicklung der Arbeitsproduktivität in den Grossregionen
Nachdem die Arbeitsproduktivität pro Stunde im Jahr 2023 auf gesamtschweizerischer Ebene um 0,8% zurückgegangen war, stieg sie 2024 um 1,4% an. Die Entwicklung zu Preisen des Vorjahres fiel allerdings in den einzelnen Grossregionen sehr unterschiedlich aus: In zwei Grossregionen war ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, in zwei weiteren veränderte sich die Arbeitsproduktivität nur geringfügig und in drei Grossregionen verringerte sie sich. Das Tessin registrierte das zweite Jahr in Folge den stärksten Rückgang der Arbeitsproduktivität (–3,7%), da das BIP deutlich stärker abnahm (–3,9%) als die Zahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden (–0,3%).
In der Zentralschweiz hat sich das Wachstum der Arbeitsproduktivität nach geleisteten Arbeitsstunden 2024 mehr als verdoppelt. Mit einem Plus von 6,3% wies sie den grössten Anstieg aller Grossregionen aus. Auch die Nordwestschweiz legte kräftig zu (+4,4%), was hauptsächlich auf das starke BIP-Wachstum (+4,0%), namentlich in Basel-Landschaft, zurückzuführen ist. Die Arbeitsproduktivität in dieser Grossregion ist seit 2021 jedes Jahr gestiegen, wobei die Wachstumsraten zwischen 3,5% und 8,7% lagen. In der Genferseeregion hingegen ging die Arbeitsproduktivität leicht zurück (–0,5%), da die Zahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden (+1,4%) stärker zunahm als das BIP (+0,9%).
Diese Medienmitteilung und weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Website des BFS.